Chronik des TRV bis 1965

Der Tiroler Rassehundeverein, seine Gründung und seine Geschichte seit 1935, soweit ich sie noch in Erinnerung habe.
Alois Schneeberger

In Innsbruck bestanden zu dieser Zeit drei Ortsgruppen von Hundevereinen, davon waren noch zwei im Jahre 1934 sehr aktiv. Der Österr. Dobermann-Pinscherklub hatte seinen Höhepunkt zu dieser Zeit schon überschritten, er hatte nur mehr wenige Mitglieder. Die beiden anderen Ortsgruppen, Deutscher Schäfer und Boxerklub, waren sehr stark und aktiv. Für Hundefreunde, die den Gebrauchshundesport pflegen wollten, bestand die Möglichkeit bei der Ortsgruppe der Schäferhunde in Abrichtekursen mitzuarbeiten. Man konnte unterstützendes Mitglied werden, hatte aber außer der Bezahlung des vollen Mitgliedsbeitrages keinerlei Rechte. Außerdem war gerade damals bei dieser Ortsgruppe die Meinung vorhanden, dass es außer dem Schäferhund keine Rasse gäbe, welche man mit Erfolg zur Gebrauchshundearbeit erziehen könnte. Einige Jahre vorher war in Innsbruck eine sogenannte Gebrauchshundeschau an der alle sechs Gebrauchshunderassen teilnehmen konnten. Die Schau war gut aufgezogen und fand im alten Exltheater statt. Ich hatte damals eine dreijährige Airedaleterrier-Hündin und nahm an dieser Schau teil. Allerdings wurde mein Hund nicht gerichtet, denn es war für diese Rasse niemand vorhanden. Bei den Abrichtearbeiten traf ich oft mit Boxerliebhabern zusammen, mit denen ich die herrschenden Zustände über Abrichtung und Ausstellung besprach. Herr Peter Troppacher war alles andere als ein Rassefanatiker, ebenso Herr Max Kuen. Beide waren für die Gründung eines allgemeinen Vereines sehr aufgeschlossen und bereit die nötigen Schritte in dieser Richtung zu unternehmen. Am 6. März 1935 reichte Herr Max Kuen entsprechende Satzungen für einen allgemeinen Verein ein. Außer ihm waren noch die Herren Troppacher und Fehringer als Proponenten unterzeichnet. Der neue Verein sollte Tiroler Rassehundeverein heißen und seine Tätigkeit in Innsbruck und Umgebung ausüben. Die Satzungen werden mittels Bescheid der Sicherheitsdirektion schon am 13. März 1935 bewilligt und die Proponenten beauftragt eine Gründungsversammlung einzuberufen. Diese Gründungsversammlung fand im Gasthaus "Löwenhaus" statt und war außerordentlich gut besucht. Als 1. Vorsitzender wurde Herr Peter Troppacher gewählt, der Name seines Stellvertreters ist mir leider entfallen. Unser erster Schriftführer war Herr A. Duschnik, als Abrichtewart wurde Herr Troppacher und Schneeberger gewählt.

Nun hätte eigentlich die Tätigkeit des neuen Vereines beginnen können und die vielen Pläne, welche wir hatten konnten verwirklicht werden. Leider kam es anders. Dem Verein fehlte noch die Anerkennung durch den Österr. Kynologenverband in Wien. Zwei Innsbrucker Ortsgruppen fühlten sich in Verkennung der Wirklichkeit in ihrer Existenz bedroht und versuchten unsere Anerkennung mit Hilfe ihrer Wiener Hauptleitungen mit allen Mitteln zu unterbinden. Die Gegensätze schienen unüberbrückbar. Der ÖKV hatte in seiner Gesamtheit großes Interesse in Innsbruck einen allgemeinen Verein zu haben. Besonders dessen Präsident, Herr Prof. Dr. Karl Witzelhuber war für einen allgemeinen Verein in Innsbruck und setzte seine ganze Autorität für die Anerkennung ein.

Er kam persönlich nach Innsbruck und es gelang ihm eine Einigung zu erzielen. Allerdings musste Herr Troppacher seine Stelle als erster Vorsitzender zurücklegen, da alle Einwendungen gegen ihn gerichtet waren. An seine Stelle trat Herr Ing. Hepperger.

Abrichtekurse konnte der TRV jedoch keine durchführen, da solche nur die jeweiligen Spezialvereine für ihre Rasse und der Österr. Polizei- und Schutzhundeverein für alle Rassen tun konnten. Also blieb uns nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich eine Ortsgruppe dieses Vereines in Innsbruck zu gründen. Bis diese Gründung durchgeführt war vergingen wieder einige Monate, so dass wir im Jahr 1935 eigentlich außer Zusammenkünften nicht viel machen konnten.

Der Abrichtewart des ÖPSV sandte uns seinen besten Abrichter, Herrn Schadlbauer aus Wien, der einige von uns in der Abrichtung von Hunden schulte. Aus taktischen Gründen blieb die Leitung von beiden Vereinen dieselbe. Mitglieder der Ortsgruppe wurden nur Mitglieder des TRV die Hunde zur Abrichtung hatten. Eine Rivalität zwischen TRV und ÖPSV schien damit ausgeschlossen.

Alle Mittel zur Anschaffung von Geräten wurden von den Mitgliedern geleistet, da unsere Kassa ziemlich leer war. Ende September 1935 hatten wir die erste gemeinsame Fahrt zur Internationalen Hundeausstellung nach Meran. Es nahmen 30 Mitglieder mit 24 Hunden daran teil. Diese gemeinsamen Fahrten fanden jedes Jahr bis Kriegsanfang statt und waren geeignet, die Mirglieder in Verbindung mit den nun angelaufenen Abrichtekursen so richtig zusammenzuschweißen.

Die erste Schutzhundeprüfung des TRV resp. der Ortsgruppe fand im Frühsommer des Jahres 1936 am Flughafen unter dem Leistungsrichter Obermüller statt und im Oktober 1936 war schon die zweite am selben Platz und unter demselben Richter. In Innsbruck hatte die letzte Intern. Hundeausstellung im Jahre 1908 stattgefunden, also war es Zeit eine solche aufzuziehen. Die Durchführung eines solchen Unternehmens war aber nicht so einfach. Uns fehlten alle Erfahrungen, auch die Vereinskassa war nicht gerade gut gefüllt. Das Geld war zu dieser Zeit überall sehr knapp. Eines hatten wir allerdings im Überfluß: den Willen zur Durchführung und den Mut dazu. Es war uns allen klar, einen eventuellen Verlust aus diesem Unternehmen aus eigener Tasche bezahlen zu müssen.

Es gelang uns einen Tischler zu finden, der uns 282 Boxen machte und mit der Bezahlung bis zum Ende der Ausstellung wartete. Also war ein Haupthindernis überwunden und am 4. Juni 1937 war der große Tag da. Die Boxen standen in der großen Ausstellungshalle bereit in den beiden folgenden Tagen 226 Rassehunde aus Deutschland, der Schweiz, der Tschechoslowakei, Italien und Österreich aufzunehmen, eine für die heutigen Verhältnisse sehr kleine Zahl. In der ganzen Welt herrschte Arbeitslosigkeit und Not; ergo dessen war es eine sehr große Zahl. Den Ehrenschutz hatte der Innsbrucker Bürgermeister Herr Franz Fischer übernommen. Die Stadt spendete sehr wertvolle Ehrenpreise.

Fast alle Richterspesen gingen zu Lasten des TRV, denn es waren fast keine Sonderausstellungen angeschlossen, zudem waren beide Ausstellungen mit schönem Wetter beschenkt und ganz Innsbruck war auswärts. Es sah daher für einen Erfolg nicht gerade gut aus.

Am zweiten Ausstellungstag fand im Hofe der Klosterkaserne eine große Hundevorführung statt. Beide Veranstaltungen hatten sehr guten Besuch, beide waren ein voller Erfolg und das Ergebnis dieser ersten Großveranstaltung ein Reingewinn von S 1.000,-.

Die Mitglieder des TRV ruhten sich nicht auf ihren Lorberen aus, sondern es wurde fleißig weiter gearbeitet.

In München fand in diesem Jahr die Reichssieger-Ausstellung statt, also auf nach München. Der größte Omnibus, der in Innsbruck war, wurde gemietet, circa 30 Mitglieder, die meisten mit Hunden aller Größen, hineingestopft und ab ging es. Leider trug gerade diese Fahrt den Keim in sich, zu späteren Auseinandersetzungen innerhalb des Vereins. Die damals hoch gespannte politische Sphäre brachte immer wieder Zusammenstöße, da doch in unseren Kreisen Menschen mit ganz verschiedenen politischen Anschauungen in einem Verein beisammen waren. Das erste Opfer dieser Anschauungen war der 1. Vorsitzende Ing. Hepperger, er wurde Ehrenmitglied, an seine Stelle trat Ing. Kerschbaumer, Besitzer eines Schäferhundes. Natürlich wurde sofort versucht, ihn uns abzuwerben und es dauerte nicht lange bis er Ortsgruppenobmann Ibk. Schäferhunde war.

Verdiente Mitglieder wie Herr Troppacher, Kuen, Fehringer und Duschnik traten aus. Die Vollversammlung des TRV im Feber 1938 brachte eine fast vollkommen neue Leitung. 1. Vorsitzender Paul Frapperti, Stellvertreter Dr. Alfred Mayer, Kassier Hermann Schrettl, Schriftführer A. Kirchebner. Wir standen knapp vor einer politischen Umwälzung, die jedoch dem TRV nicht viel anhaben konnte, denn fast die gesamte neue Vereinsleitung entsprach den kommenden neuen Herren. Die Tätigkeit der sogenannten Stillhaltekommission begann, TRV und Ortsgruppe sollten neue Namen erhalten, Verein der Hundefreunde und Ortsgruppe der Fachschaft für Gebrauchshunde sollten sie heißen.

Um den Posten des 1. Vorsitzenden entstand ein Tauziehen das Kirchebner gewann. Die Abrichtekurse liefen ungehindert weiter, auch einige Ausstellungen wurden besucht.

Auch im neuen Jahre 1939 behielten die beiden Vereine den gleichen Namen. In diesem Jahr gelang es dem Verein einige ihnen wohl allen bekannten Vorteile bezüglich der Hundesteuer zu erreichen. Mitten in den Vorbereitungen zu einer Prüfung wurden wir von einer Teilmobilisierung überrascht. Am 26 August verließ ich als Soldat Innsbruck und kehrte im Feber 1940 zurück, wo ich infolge der Ereignisse keinerlei Vereinstätigkei mehr vorfand. Ich wandte mich damals an Herrn Insp. Hödl in Graz, Höchstzuständiger für das gesamte Hundewesen im Wehrkreis 18. Dort erreichte ich in Kürze die Umbildung des Vereins und die Freigabe des Vereinsvermögens. Die Zeit der Arbeit begann wieder, obwohl immer mehr Mitglieder eingezogen wurden. Es herrschte auch Mangel an Hunden, so manches Tier wurde bei Kriegsausbruch getötet oder eingezogen, die Futterfrage war dringend geworden.

Wir erhielten Einfluß bei Hundemusterungen und es gelang uns manches Tier vor der Einziehung zu retten. Jeder für den Wehrdienst taugliche Hund erhielt im Monat 10kg Haferflocken, ein für die damaligen Verhältnisse nicht zu unterschätzender Beitrag zur Futterfrage. Die Abrichtung lief auf vollen Touren, die Prüfungen waren mit heute verglichen sehr schwer. Es gab nur von oben bestimmte Richter, meistens waren es Feldwebel aus den Hundeersatzstaffeln, welche die Prüfungen unter ganz anderen Voraussetzungen durchführten. Ein gemeinsamer Austellungsbesuch war nicht mehr möglich, doch fuhren immer wieder einzelne Mitglieder zu solchen.

Im Jahre 1943 führte der nunmehrige Verein der Hundefreunde in Innsbruck eine allgemeine Schau für Hunde aller Rassen durch mit sehr guter Beschickung und noch besserem Besuch. Das Jahr 1944 brachte Kurse und Prüfungen, welche durch die Bombenangriffe im Dezember endgültig unterbrochen wurden. Während des Krieges war Herr Schrettl Obmann. Ich hatte immer noch meinen Platz als Abrichtewart. So verging der Krieg. Im Herbst 1945 erreichte mich ein Schreiben der Vertrauensversammlung in Wien mit folgendem Inhalt:

Aufgrund der Beschlüsse der Versammlung vom 17. Juni 1945 berufe ich zum provisorischen Leiter des Tiroler Rassehundevereins Herrn Alois Schneeberger, Innsbruck, Wiesengasse 67. Sie haben umgehend von dem früheren Vereinsvorstand die Geschäfte ordnungsgemäß zu übernehmen und nach den Bestimmungen der Erklärung der Vertreter vom 17. Juni 1945 bis zur Wahl des neuen Vereinsvorstandes zu führen.

gez. Werall

Die Sache war aber nicht so einfach. Das Vereinsvermögen gesperrt, Sprungwand, Leiter, Hetzanzug u. dgl. durch Kriegseinwirkungen verloren, viele Mitglieder abwesend. Eine Reaktivierung war fast unmöglich. Es gehörte schon ein gewisser Idealismus dazu, statt den Götz von Berlichingen zu gebrauchen, von vorne anzufangen. Die Bildung des sogenannten Proponentenkomitees war infolge der neuen Bestimmungen durch die Besatzungskraft sehr schwierig und erst im September 1946 reichten Frau Sporer, Herr Bernorello und ich die Satzungen samt Reaktivierungsansuchen ein und konnten am 15. Oktober 1946 die Vereinstätigkeit wieder aufnehmen. Die erste Vollversammlung im Gasthaus "Ottoburg" brachte folgendes Wahlergebnis:

1. Vorsitzender: H. Schneeberger
Stellvertreter: H. Kirchmayer
Schriftführer und Kassier: Fr. Sporer

Die erste Nachkriegs-Schutzhundeprüfung der auch wieder erstandenen Ortsgruppe des nunmehrigen Österr. Gebrauchshundevereins fand im Jahr 1947 in Innsbruck statt. Vom TRV wurde die gleiche Taktik verwendet wie vor dem Krieg. Beide Vereinsleitungen hatten die selben Mitglieder und diese bewährten sich vorläufig bestens.

Anfangs 1948 wurde ich wieder zum 1. Vorsitzenden gewählt und erhielt als Stellvertreter Herrn Anton Depaoli. Dieser war ein vorzüglicher Mitarbeiter und der Verein erhielt mit ihm neuen Auftrieb. Zwei Sch.H.Prüfungen und die erste Innsbrucker Ausstellung beschickt von 427 Hunden fanden in diesem Jahr statt. Die Ausstellung auf dem Gelände des Landeshauptschießstandes war ein Provisorium, die große Entfernung vom Stadtzentrum, die für solche Zwecke ungeeigneten Räume und dgl. waren alles andere als man heute gewohnt ist. Trotz dieser schweren Mängel war diese Ausstellung ein großer Erfolg. Mit dem Reingewinn dieser Ausstellung war es dem TRV möglich, Holz zum Bau von fast 500 Ausstellungsboxen zu kaufen und dieselben in Eigenregie herzustellen.

Im Sommer des Jahres 1949 wurden diese Arbeiten unter Beteiligung aller Mitglieder durchgeführt.

In der Vollversammlung des Jahres 1949 J. Waldmüller als Schriftführerin gewählt. Ihre in den folgenden Jahren für den TRV geleistete Arbeit verdient es besonders hervorgehoben zu werden. Sie zeichnete mehr als ein Jahrzehnt für die einwandfreie Katalogherstellung, für die regelmäßig jedes Jahr stattfindenden Nikolo- und Ballveranstaltungen u. dgl.

Zwei Sch.H.Prüfungen unter den Leistungsrichtern Eham und Rauter fanden statt. Am 2. Oktober nahmen unter anderem Frau Sporer, Ilse Mayer, L. Waldmüller, Fr. Loos, Herr Untermüller und Herr Gnesetti teil. Meines Wissens war es damals das erste Mal in Innsbruck, dass Hunde, welche nicht den sogenannten Gebrauchshunderassen angehörten, an einer Sch.H.Prüfung mit Erfolg teilnahmen.

Das Jahr 1950 war für den TRV sehr erfolgreich, drei Sch.H.Prüfungen, Besuch eines Gebrauchshundeturniers durch drei Mitglieder, Fr. Fontana, H. Kofler und Gnesetti in Bregenz, wobei es Herrn Gnesetti sogar gelang bei starker Beteiligung von Hunden aus drei Ländern, den ersten Platz zu besetzen. Eine Gemeinschaftsfahrt zur Münchner Ausstellung und als Krönung am 16. und 17. September eine mit 491 Hunden beschickte Int. Ausstellung in der Saggenkaserne beschlossen dieses erfolgreiche Jahr.

Das Jahr 1951 begann für den TRV erfolgversprechend. Die Vollversammlung brachte keine großen Änderungen. Herr Gnesetti wurde Abrichtewart. Von Seite der Vereinsleitung wurde durch starke Propaganda versucht, den Besuch der Abrichtekurse zu heben. Die Bemühungen waren nicht umsonst. Der Kurs begann mit 52 Teilnehmern, eine Zahl, die noch nie in Innsbruck erreicht wurde. Die durch die große Teilnehmerzahl bedingte Teilung des Kurses war allerdings nicht ganz glücklich. Am 15. und 16. September fand in der Saggenkaserne wieder eine von 408 Hunden beschickte Int. Ausstellung statt.

Das Jahr 1952 brachte in Innsbruck keine Hundeausstellung. Zur Linzer Ausstellung wurde eine Gemeinschaftsfahrt unternommen. Die schon zur Tradition gewordenen Veranstaltungen des TRV Nikolo und Ball mit großem Erfolg durchgeführt.

Im Jahr 1953 sollte wieder eine Int. Hundeausstellung in Innsbruck stattfinden. Sie war am 5. und 6. September in der Saggenkaserne und hatte mit 296 Hunden die niedrigste Meldezahl nach dem Kriege. Trotzdem war sie für den Verein ein voller Erfolg. Eine Gemeinschaftsfahrt nach Salzburg, München und Florenz wurde vom TRV unternommen. Alle anderen Dinge, wie Kurse, Nikolo und Ballveranstaltung mit Erfolg durchgeführt.

1954 war für Innsbruck keine Ausstellung vorgesehen, dafür wurden Gemeinschaftsfahrten nach Linz und San Martino di Castrozza durchgeführt, wobei besonders die letzte Fahrt allen Teilnehmern lange Zeit in unvergeßlicher Erinnerung blieb.

Im Jahre 1955 fand am 9. und 10. Juli die erste Ausstellung in der Messehalle statt. Auch sie war nur mit 303 Hunden beschickt. Neben dieser Veranstaltung besuchten wir gemeinsam die Hundeausstellung in München und Salzburg, eine kleine Mitgliederzahl besuchte die Ausstellung in Triest. Für den TRV war dieses Jahr wegen Abganges eines der eifrigsten Mitglieder und Mitarbeiters, Herrn Felix Bernarello schlecht.

1956 brachte wieder eine Hundeausstellung in Innsbruck. Am 14. und 15. Juli fand diese in der Messehalle statt. Die Meldezahl der Hunde war zum erstenmal wieder etwas gestiegen, sie betrug 335. Herr Anton Depaoli verließ den TRV in diesem Jahr für immer. Sein Abgang war ein schwerer nicht ersetzbarer Verlust für den TRV.

Die nun folgenden Jahre will ich, da diese Zeit eigentlich nur kurz zurück liegt, in kurzen Umrissen schildern.

Seit einiger Zeit waren immer wieder Bestrebungen unternommen worden, innerhalb des Vereins selbständige Gruppen zu bilden. Dies ist für einen allgemeinen Verein wie der TRV ist, nicht gut. Gelänge nämlich eine solche Interessengruppenbildung, wäre es nach meiner Überzeugung mit der Einheit des TRV vorbei. Die Abwehr dieser vielleicht gut gemeinten Bestrebungen brachte natürlich gewisse Differenzen innerhalb des TRV. Gewissen Hauptvereinen in Wien war der TRV zu groß geworden. Hauptsächlich waren die finanziellen Erfolge des Vereines die Ursache. Es gab immer wieder Mitglieder, die das Interesse ihres Spezialklubs höher schätzten als die Interessen ihres allgemeinen Vereines, dessen Hauptzweck die Einigung aller Tiroler Hundeliebhaber sein soll, denn die Interessen dieser Tiroler Hundeliebhaber sind ganz andere, als die der Wiener Hauptklubs und die heutige Leitung des TRV müsste nach meinem Empfinden alles daran setzen, Verhältnisse in Innsbruck zu schaffen, wie sie z.B. in einem unserer Nachbarländer vorhanden sind.

Doch zurück zum Vereinsgeschehen.

Die Jahre 1957 und 1958 waren für den TRV nicht besonders erfreulich. Es fanden wohl Abrichtekurse und Prüfungen statt, doch war der Kulminationspunkt des TRV überschritten. Die durchgeführten Vereinsfahrten zu Ausstellungen fanden bei den Mitgliedern geringen Anklang. Autobusfahrten wurden nach München und Salzburg unternommen. Eine geringe Zahl von Mitgliedern fuhr nach Bozen.

Die Zahl der autobesitzenden Mitglieder wurde immer größer, das Interesse an Gemeinschaftsfahrten dadurch immer kleiner. Die Vereinsleitung müsste trachten, trotz der vorhandenen Schwierigkeiten die Vereinsfahrten zu intensivieren, denn gerade solche gemeinsame Fahrten stärken den innerlichen Zusammenschluss der Mitglieder. Ohne eine solche innerliche Gemeinschaft ist ein Verein ein mehr oder weniger totes Gebilde, mag es ihm auch gelingen Ausstellungen mit großem finanziellen Erfolg durchzuführen. Ich glaube zu diesen Feststellungen berechtigt zu sein, da die Zeit meiner Mitgliedschaft beim TRV sehr lange ist und ich alle Auf- und Abstiege des Vereines an aktiver Stelle erlebt habe.

Am 11. und 12. Juli 1959 fand in der Messehalle wieder eine Int. Hundeausstellung statt auf der 451 Hunde gemeldet waren. Es fand eine Gemeinschaftsfahrt nach München statt, ebenso gesellschaftliche Veranstaltungen.

1960 war ein Jahr ohne Ausstellung in Innsbruck. Nur die Hundeausstellung in Salzburg wurde gemeinschaftlich besucht, Kurse und Prüfungen durchgeführt.

Am 29. und 30. April fand in Innsbruck vorläufig die letzte zweitägige Int. Hundeausstellung statt. Gemeldet waren 413 Hunde. 50 neue Kollektionsräume wurden zum erstenmal bei dieser Ausstellung verwendet.

Abrichtekurse wurden ebenfalls in diesem Jahr durchgeführt. Die Vollversammlung anfangs 1961 brachte keine Änderungen in der Vereinsleitung. Dafür wurden bei den Ende des Jahres durchgeführten Vollversammlungen die Vereinsleitung fast zur Gänze neu erstellt. Für mich persönlich endete eine fast 27jährige Tätigkeit im Ausschuss des TRV, welche sowohl Erfolge als auch Mißerfolge hatte.

1962 fand am 6. Mai die erste Innsbrucker Int. Eintagesausstellung statt. Gemeldet waren 416 Hunde. Eine Fahrt nach München, sowie Kurse und Prüfungen wurden durchgeführt.

1963 war insoferne eine Novität, dass der Verein wohl Abrichtekurse laufen hatte, aber keine eigene Prüfung durchführen konnte. Ich muss dies erwähnen weil, sieht man von den Bombenjahren ab, es nie vorkam, dass der TRV keine Prüfung hatte.

Am 10. Mai 1964 fand wieder eine Int. Hundeausstellung in der Messehalle statt. Die Meldezahl von 611 Hunden war bisher nie erreicht worden. Außerdem fanden Abrichtekurse und zwei Prüfungen statt. Die Vollversammlung im Jänner 1965 fand unter sehr ruhigen Verhältnissen statt. Die Vereinsleitung wurde auf 10 Personen vergrößert und damit die Voraussetzung geschaffen alle Vereinsprobleme zu lösen.

Für das Jahr 1965 ist viel geplant. Am 27. Juni eine Hundeausstellung, Fahrt zur Brünner Welthundeausstellung, Abrichtekurse, Turniere usw. Alles in allem ein gutes Programm, dessen Verwirklichung aber intensive Zusammenarbeit der Leitung und aller Vereinsmitglieder erfordert.

Zur geplanten Brünner Fahrt erlaube ich mir noch folgendes zu sagen: Der gemeinsame Besuch einer Kynologischen Großveranstaltung wird nach meiner Ansicht von den meisten Vereinsmitgliedern unterschätzt. Es fördert den Zusammenhalt, es ist geeignet die kynologischen Kenntnisse zu erweitern und noch vieles andere.

Es wäre des Schweißes der neuen Leitung wert, für eine solche Fahrt bessere Propaganda zu machen, durch mehr Geld die Fahrt zu unterstützen, denn nach meiner Ansicht ist es nicht der Zweck eines Hundevereines sein Vereinsvermögen zu vergrößern, der Zweck ist seinen Mitgliedern viel zu bieten, ihr Interesse an der Kynologie zu heben und zu fördern.

Neben Abrichtekursen, Prüfungen und Wettkämpfen ist gerade der gemeinsame Besuch solcher Großveranstaltungen das geeignete Mittel, die Zusammengehörigkeit aller Vereinsmitglieder zu stärken.

Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, dass der TRV bisher 11 Int. Hundeausstellungen in Innsbruck durchgeführt hat mit einer Gesamtmeldezahl von 4.137 Hunden. Dazu kommt noch eine allgemeine Hundeschau mit einer Meldezahl von über 300 Hunden. Diese Meldezahlen sind allerdings nicht gerade überwältigend, wenn man Deutschland oder England zum Vergleich heranzieht, für Tiroler Verhältnisse aber sehr gut. Betrachtet man die geringe Zahl der Mitglieder des TRV, so kann man wohl sagen sehr groß.

Ich schließe meine Erinnerungen mit einem Dank für meine Zuhörer und bitte alle Tiroler Hundefreunde in Zukunft die Interessen des Hundes über die Interessen einer bestimmten Hunderasse zu stellen, denn nur die Zusammenarbeit aller Tiroler Hundefreunde kann dem Hundesport mehr und besser dienen.